JOSEF TRATTNER: I N T E R A K T I V

 

 

Josef Trattner interaktiv ist als Quintessenz des Gespräches geblieben, interakiv in real life, interaktiv mit Objekten und Menschen, die Neuen Medien spielen dabei keine Rolle.

Schaumstoff ist seit Jahren das Material als "Bildhauer", wie wohl da durchaus an frühere Werke zu erinnern wäre: Doch, kramt man in Erinnerungen, siehe nächstes Foto, ist es wieder Kunst im öffentlichen Raum.......und "interaktiv" paßt auch...............nur war das damals kein Modewort im Kunstkotext, es blieb der Medienkunstszene vorbehalten, diesen Begriff zu etablieren.

Die Objekte im Schulhof in der Bergheidengasse sind ebenso lustvoll von den Schülern angenommen worden (Kunst am Bau-Projekt) wie später die temporären Aktionen mit Schaumstoff oder jetzt die Weinbilder mit Weinverkostung. Doch, auch wenn die Kunst und auch das Gespräch interaktiv wirken, auf dem Band ist es ein Monolog, bei dem man durch rasche Einwürfe das Thema wechseln kann, um zu dem Thema zu kommen, das man eigentlich im Sinne hatte.

 

J.W.: Wie ist jetzt deine Arbeit mit Wein entstanden?

J.T.: Die Anfänge waren so, ich habe gegen Wein getauscht. Dann dachte ich mir, das kann es ja nicht sein, schau mir die Flaschen so an und mache ein paar Bilder mit Wein. Dann lege ich das weg so für sieben Jahre und hab dann vor fünf Jahren das Thema wieder aufgegriffen, weil es mir darum gegangen ist, wie mache ich ein Bild damit, beziehungsweise wie definiere ich Farbe. Das heißt ich muss eine gewisse Größe nehmen und ich muss ein gewisses Format nehmen. Die Idee ist dann in mir gewachsen, ein Bild vom Wein zu machen, die Farbe zu definieren, und im Gegenzug dazu auch den gleichen Wein zu trinken, eine Wechselbeziehung herzustellen zum Bild.

J.W.: Die Farbe ändert sich dann am Papier, oder?

J.T.: Die Farbe verändert sich sehr wohl, aber sie verändert sich im ersten Monat, bleibt aber dann sehr stabil. Man kann natürlich nicht jeden Karton nehmen. Dann tritt diese Wechselbeziehung ein, dass ich den Wein über die Farbe definiere. Ich habe zuerst 30 Bilder gemacht, dann sind es hundert geworden. Die Leute stehen dann vor hundert Bildern vor den Farben, und wählen dann ohne ein Logo zu wissen einen Wein. Das ist natürlich auch der kritische Ansatz, denn verschieden Autoren beweisen ja immer dass man gewisse Marken braucht, ein Logo, und danach wird dann erwählt. Hier gibt es aber nur die Farbe! Du hast keine Ahnung was du trinkst. Die Menschen gehen mit einer ganz anderen Emotion nach Hause, wenn sie jetzt herausgefunden haben, dass etwas bräunliche Weine vielleicht etwas älter sind, die Piemontese sind etwas bläulich, die Barolos eher bräunlich......sie machen sich selber ein Regulativ nach dem sie trinken wollen, wenn sie sowas wieder sehen.

Ich neige dazu, bei einer nächsten Veranstaltung auch die ganze Weinverkostung als Aktion zu sehen, also dass alle Gläser dann stehen bleiben auf einer Tafel, alle Gläser halb voll oder leer stehen bleiben, für einen Zeitraum von zwei Wochen.

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                                                                                                                                MARIO  TERZIC: In einem "historischen" Gespräch 

Eine zeitlang habe ich die Idee verfolgt, eine Sportausstellung oder ein Sportmuseum zu machen. Aus der Erwägung heraus, was machen die jungen Leute in Kärnten, besonders wenn es regnet. Das beste wäre doch ein Sportmuseum, wo du nicht nur Sportgeschichte aufarbeitest, sondern wo unter Tags so ein Mittelding zwischen Fittnesszentrum und Sportclub stattfindet, und einem Museum. Wassersport und Schisport könnte man dort ideal darstellen. Man könnte dort auch alle Videobänder der wichtigsten Veranstaltungen auflegen. Dann könnten die Jugendlichen dort entweder Ping Pong spielen oder sich etwa die Fussballmeisterschaft 1956 anschauen. Das würde ein riesen Theater sein, dazu die Objekte, die man so ansammeln kann, die Leiberln von Fussballern, Schi von Klammer oder sonstwas, das könnte ein Geschäft sein........

J.W.: Und, die Banker haben nicht angebissen?

M.T.: vergiss es.......dass man da positivst etwas tun könnte.....

J.W.: Das glauben sie nicht?

M.T.: Das glauben sie nicht! Nachdem ich die Reaktion in Klagenfurt gesehen hab, hab ich gedacht, das ist ja sinnlos......Ich kann mich doch nicht ungefragt, also von den Besitzern nicht gewünscht, hinsetzen und Entwürfe machen.........

Zur Zeit als Mario Terzic die Gartengestaltung der AHS in der Klusemannstraße, in Graz konzipierte, als "Kunst und Bau-Projekt" des Bundes, in Zusammenarbeit mit den Architekten Andreas Fellerer und Jiri Vendl, hatte man den Eindruck, dass dieser Künstler tragfähige Ideen und Konzepte hätte wie Sand am Meer. 

M.T.: Wenn die Schüler im Kopf hätten, 20 gute zeitgenössische Österreichische Architekten, dann würde das auch das Selbstbewußtsein heben. Das Centre Pompiduo hauns dir sofort in die Augen, aber dass wir in Österreich Architektur höchster Qualität haben, wissen die Schüler nicht. Was nicht gelernt und nicht geprüft wird, wissen sie halt nicht. Aber ich bilde mir ein, wenn man gute Fotos von sowas hinhängen würde, mit den entsprechenden Daten, dass das sehr wohl von den Kindern wahrgenommen werden würde. Wenn die Kinder ihren Architekturkörper, in dem sie leben überhaupt wahrnehmen würden, könnten sie eine Unterscheidung zwischen guter Schule und Gefängnis machen.

...Ja, und auch meine Designschüler haben Angst davor im Kunstmarkt nicht zu überleben. Und je mehr Angst umsomehr schrumpfen die Visionen.......mich interessiert Kunst nur als ein Faktor in einer weitesten Kulturwelt, wo von mir aus die Bemalung vom Klammer sein Leiberl dazugehört....wieso soll ich das nur Modeleuten überlassen? Warum muss ich mich bescheiden mit Design? Bei mir fängt Kunst damit an, die Grenze die da ist zu verändern.......allerdings......unter den tausenden Dingen die mich interessieren, muss ich mich auf jene konzentrieren, bei denen ich auch was geben kann.......Ich erinnere mich an meine Entwicklungshilfegeschichten, die fingen damit an, dass die eigentlich Mechaniker brauchen, nicht Designer und Brillenträger........

J.W.: Ich bin Künstler, ich kann alles, das geht nicht?

M.T.: Idealisten und Narren haben sie genug......die brauchen so Leute wie meine jetzige Schwägerin, die war zur Entwicklungshilfe in Brasilien, die hat Pharmazie studiert, das kannst du brauchen, einen ausglernten Apotheker....die kann vier Sprachen.....spanisch, englisch, deutsch, man muss auch wissen was man mit seinem Leben anfangen will........entweder wirklich dorthin gehen, mindestens ein Jahr.......denn nur vom Mitleid hingespült werden.......die brauchen Leute, die ihnen handfest etwas beibringen können, die wirklich anpacken können. Anderenfalls ist es besser im Zentrum dieser Zivilisation zu bleiben.

Im Gespräch zwischen Baum und Architektur, das Grazer Projekt wurde verwirklicht, ein Buch darüber publiziert, bei einem Besuch aus Anlaß einer Bestandsaufnahme 10 Jahre Kunst und Bau Projekte des Bundes, wirkte der Garten wenig gepflegt. 

Es ist ein langes Gespräch geworden und viele Passagen daraus würden immer wieder ähnliche Ansätze bringen......den Wunsch etwas zu entwickeln, das über das bürgerliche Mittelmaß hinausgeht und die bürgerlichen Wünsche jener die an den Schalthebeln sitzen und irgendwie an ihren Sesseln zu kleben scheinen. Was Mario Terzic mit seinem Leben gemacht hat, steht auf seiner Webseite.

www.marioterzic.com 

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MARGOT PILZ: Fotokünstlerin: Pionierin beim Einsatz des Computer, hat vor Jahren der Technologie den Rücken gekehrt, alle Geräte verkauft, und arbeitet nun mit Ton - nein, nicht Sound - (Keramik) vorwärts zurück in die Handarbeit!!!

Link zu: DELPHI DIGITAL(Skulpturales Orakel):

http://www.aec.at/de/archives/festival_archive/festival_catalogs/festival_artikel.asp?iProjectID=8913

Fotopionierin in der Fotogalerie Wien http://www.fotogalerie-wien.at/bilder_116_frame.cfm?id=1212049792   

J.W.: Wann und wie bist zur Arbeit mit dem Computer gekommen?

M.P.: Es muss so 1985/86 gewesen sein, da haben wir bei dem Wettbewerb für das Austria Center gewonnen. Es haben sich die Brigitte Kordina, die Inge Dick und ich sich zusammen getan, weil wir 3 ausgesucht waren um gegeneinander anzutreten.

J.W.: Aus dem jeweiligen 3er Vorschlag sollten damals die Künstler gewählt werden, die dann den Auftrag bekommen - ein zweistufiger Wettbewerb.

M.P.: Das war eigentlich der Einfluss von der Intakt - Frauen die gemeinsam arbeiten wollten. Ich habe dich noch gefragt, das weis ich, wer ist die Brigitte Kordina? Ist das eine gute Künstlerin? Ja, sehr gut, sagtest du, und hast mir auch ihre Adresse gegeben, die Inge Dick kannte ich ja. 45 Leute für 15  Plätze waren ausgesucht. Ich habe die Initiative ergriffen, Brigitte Kordina gefragt, sie hatte gerade meine Ausstellung in der Fotogalerie Wien "Die weisse Zelle" gesehen und war dafür. Dann fragte ich noch die Kuratoren Heidi Grundmann und Dieter Ronte, ob man eine Zusammenarbeit einreichen könne, die Grundmann war begeistert und Ronte sagte: Ja, warum nicht.

Dann fing eine grauenhafte Arbeit an, wir wollten Personen von allen Ländern, Afrikaner, Asiaten ecetera einbringen, das Austria Center ist ja international, wir haben gearbeitet wie die Verrückten, dann haben wir etwas zusammengestellt, aber es paßte uns nicht...... es kam soweit dass die Inge Dick die Brigitte anrief und sagte: Ich steige aus. Die Brigitte sagte aber, das ist ja ein Wahnsinn, wir haben ja schon 1 1/2 Jahre daran gearbeitet! Also, letztlich konnten wir Inge dazu überreden weiter zu machen - das taten wir aber dann ganz anders als vorher. Wir haben jede einen Entwurf gemacht in einem Gebiet in dem wir sehr gut sind. Von mir kam Mensch, die Brigitte war die Zeichensetzerin und von Inge mit ihren Monochrom-Arbeiten kam Landschaft (Erde und Meer hatten fast eine Farbe)

Den Menschen habe ich zufällig gefunden, ich habe irgendwo ein Mädchen gesehen, das eigentlich wie ein Junge aussah, irgendwie großartig - ich habe mich fast nicht getraut zu fragen, ob sie mir als Fotomodell zur Verfügung stehen würde, tat es dann aber doch. Ich musste sie sozusagen freigestellt laufend fotografieren, ich unten sie am Hügel laufend, das war es dann, was ich mir vorgestellt hatte. Die Inge hat dann noch spiegelverkehrte Schrift eingebracht, den Ablauf der Uhr und wunderschöne Sätze von dem Häuptling von Seatle hatten wir eingefügt. Wir haben so eine Kraft gehabt, sie haben unsere Arbeit genommen und uns noch viel mehr Platz eingeräumt als ursprünglich vorgesehen war. 

J.W:: Aber wie seid ihr dann auf den Computer gekommen?

M.P.: Es musste jetzt das Negativ von der Inge, meine Negative von der laufenden Frau und die Zeichnung von der Brigitte übereinander gebracht werden. Das Bild war so groß, dass wir es in Österreich nicht haben machen können, wir sind in die Schweiz gefahren und haben dort diese Fotos gemacht....und dann war es zu rosastichig, dann war es zu grünstichig......wir waren eine Woche dort. Da habe ich gesehen, ein Computer muss her!  

Zurück in Wien habe ich eine Videostill, eine Kröte gehabt, die habe ich in das Geschäft mitgebracht und gesagt, zeigen sie mir was ich da machen kann. Dann war die Kröte am Bildschirm, es war eine überfahrene Kröte, ich habe gesehen was ich da machen kann und habe den Computer gekauft. Das war der Anfang meiner Arbeit mir Computer. Amiga, weißt, eh.....

J.W.: Wir waren da alle noch weit weg, damals......

M.P.: Ich habe Feindschaften gehabt! Das ist keine Kunst! Mit Computer kann man keine Kunst machen!

J.W.: Jetzt möchte ich doch auf Deine Arbeiten mit dem Plotter kommen.......Im Fotokunstkontext war das damals wohl sehr fremd. In einem allgemeinen Kunstkontext, wo es ja abstrakte Kunst ecetera.... gab war es wohl interessant, also jenseits von Technologiefeldern. Du warst halt als Fotokünstlerin bereits recht bekannt!

M.P.: Das Negativ besteht aus Silberjodide, das ballt sich an manchen Plätzen zusammen........es ist ein Negativ auf Diapositiv.......und das riesig vergrößert, ganz einfach auf Plotter....... Dann habe ich das gleiche Bild im Computer (gepixelt) als abstrakt/eckig dem anderen gegenüber gestellt. Das war eine Ausstellung: Die Zerstörung der Fotografie, der "COLD SPACE" war damals für mich schon der Computer

Für mich ist es das, die Menschen sind einsam vor ihren Computern, arbeiten da hinein, es ist keine Kommunikation mehr. Der kalte Raum.

J.W.: Nach einer langen Phase, in der Du aber durchaus wieder erfolgreich tätig warst, hast du aufgehört. Wann war das?

M.P.:1998 habe ich gesagt, ich höre total auf. Und zwar hängt das mit dem U-Turn Nr. 3 zusammen, das interaktive Objekt das in Ottakring bei der U-Bahn steht. Der Kampf war so groß, dass ich wirklich ausgebrannt war. Aus, ich will nicht mehr! Dann habe ich auch wirklich jahrelang nichts mehr gemacht. Ich habe zwar weiter gedacht, aber nicht gehandelt.

J.W: Du hattest noch diesen Katalog zum U -Turn gemacht, da standen noch die Computer und du sagtest, das verkauf ich jetzt alles.

M.P.: Ich habe auch die Kameras verkauft, die Lampen, die ganze Dunkelkammer.....

J.W.: Das war aber noch eine analoge Ausrüstung, aber wohl recht teuer ....

M.P.: Ja, eine sehr gute Ausrüstung. Eine Nikon, die ich sehr liebe, habe ich noch, aber die ganze Computeranlage, die damals sehr gut gelaufen ist habe ich an eine Schule gegeben, die damals sehr oft bei mir waren. Die Jugendlichen konnten mit der Videokamera arbeiten, sich oder irgendwas reinnehmen, dann zusammentun am Computer, das habe ich ihnen beigebracht und das haben wir sofort ausgedruckt, damit sie es mitnehmen können.

J.W.: Damit haben sich ja Leute auch noch weit später auch schwer getan.

M.P.: Du machst das mit dem Scanner?

J.W.: Nein, ich arbeite schon lange mit digitaler Kamera und steck die Speicherkarte gleich rein. Es ist natürlich jetzt auch viel einfacher geworden  ein Video reinzuladen.

M.P.:Mit dem Amiga war das schon oft eine Plage, manchmal ist alles abgestürzt, am liebsten hätte ich das Ding genommen und beim Fenster rausgehaut.

J.W.: Diese emotionalen Anfälle bleiben uns allen erhalten, es gibt immer wieder neue Inkompatibilitäten.....

M.P.: Diese Kälte mag ich nicht mehr. Es gab damals noch nicht so viele Käufer, daher war das Service besser.......aber immer wieder habe ich stundenlang gekämpft, und der hat dann zugegeben, dass da ein Fehler drin war......und ich habe einen neuen Computer bekommen. Aber, bis die erst einmal den Fehler gefunden haben................auch stundenlang dagesessen..........das war schon aufreibend! Dann habe ich ja noch programmieren müssen, das waren ja nicht solche Programme, wo du nur druckst, schon ist es da. Der ist neben mir gesessen, ich hab mir das alles aufgeschrieben, Bücher gekauft, irre aufwändig, aber toll irgendwo. Es waren 31 Handlungen, bevor ich überhaupt anfangen zu arbeiten konnte. Als Nichttechnikerin war ich dann doch stolz, dass ich das zusammengebracht habe. Aber, jetzt brauche ich das nicht mehr.

 

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       HUBERT SIELECKI Filme 68-08, VIS-festival, Vienna Independent Shorts

Unter "Tributs" wurde sein filmisches Lebenswerk gezeigt, dazu nun ein "altes" Gespräch+Foto

J.W.: Die Falter-Filme sind Werbung für den Falter?

H.S.: Ja, ich mach das, aber mir ist es sehr wichtig, dass ich mit Künstlern arbeite. Na, Ja, es ist wie Atemholen für einen Schwerkranken. Jana, mich interessiert nicht so sehr der Trickfilm, sondern die Zusammenarbeit mit Jemandem der auch künstlerisch tätig ist, so wie mit der Maria Lassnig zum Beispiel, oder mit dem Toni Fink. Das macht einfach Spaß, mit solchen Leuten  einen Film zu machen. Man kann auch mit Toni Fink Werbung machen, er erfindet einfach gewisse Sachen. Wir arbeiten gemeinsam, und machen etwas, das ist oft bessere Werbung als wenn man etwas ganz genau im üblichen Stil machen würde. Das geht vielleicht noch mehr rein und man merkt es sich vielleicht noch mehr, das ist jedenfalls mein Konzept.

J.W.: Und der Verdienst dabei?

H.S.: Na ja, es soll halt möglichst billig sein, die Materialkosten müssen rein kommen und die Unkosten.

J.W.: Animationsfilm ist doch sehr zeitaufwändig...

H.S.: Der Falter bringt das ja ununterbrochen, das ist dann auch eine Werbung für die Künstler...also sie machen es halt ohne viel Geld dabei zu verdienen.....und ich habe was davon, weil ich Filme machen kann.....irgendwie haben alle was davon....vor allem weil alle Spaß haben, und alle interessiert sind....

J. W.: Da ist also nichts für Leute, die mit wenig Arbeit viel Geld verdienen wollen?

H.S.: Nein, das geht nicht!

J.W.: Arbeitest du mit dem Computer?

H.S.: Nein, gar nicht, überhaupt nicht! Wir malen, zeichnen, Einzelbild, das ist auch ganz wichtig....ich habe natürlich schon viel mit dem Computer gearbeitet an der Kunsthochschule, ich habe das alles kennen gelernt, du musst nur die Beschreibung lesen, dann geht es.

J.W.: Es ist nur eine andere Art der Arbeit.....

H.S.: Ja, du arbeitest halt mit der Maus, oder mit Zahlen, es ist im Grunde gar nichts anderes, mir kommt es leichter vor mit dem Animationsfilm und man ist auch freier als bei der Computeranimation, mir gefällt das nicht so wenn das alles so glatt geht, und sich dreht am Bildschirm, und man sieht auch ob das z.B. Aquarell ist oder Bleistift.

J.W.: Kann man das nicht genauso am Computer machen?

H.S.: Es gibt solche Programme, aber das ist so künstlich...................ein Computer ist eigentlich ein Rechner!

Hubert Sielecki war und ist betimmt neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen und interessiert - er beschäftigt sich aber auch mit alten Musikinstrumenten, ist dazu in der Lage, sie zu spielen, kennt diverse alte Technologien, er bringt die "Entwicklungen wieder ins Lot", ist nicht abhängig, einseitig....................das ist seine spezielle Qualität!

www.viennashorts.com

www.husi.priv.at

 

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Februar, März, April, Mai 2008: Historische Bänder auspacken: PROMIS!

 Gilt das heute noch, oder ist es vielleicht weit effizienter, weniger Werbebotschaft?

Mit Peter Weibel in fernen Zeiten, als es noch die AZ, Arbeiterzeitung gab.

Zur Ausstellung: CHAOS: in Graz

J.W.: Hier steht überall Chaos, doch deine Ausstellung "Virtuelle Architektur" ist logischer aufgebaut als jede andere hier im steirischen herbst. Ist Chaos auch eine Ordnung?

P.W.: Das Interesse besteht ja nicht im Chaos selber, jedes chaotische, dynamische System hat immer wieder Ordnungszonen. Die strukturellen Stabilitäten, die lebendige Systeme ausmachen, haben ein Wechselsystem zwischen chaotischen und ordnenden Strukturen. Ordnung hieße, dass ich ausgehe von den Fakten die ich jetzt habe, ich habe eine Geschichte, aufgrund des Gedächtnisses kann ich voraussagen was geschehen wird. Nur, dann wäre ich ja eingefangen für immer, aufgrund der Fakten der Gegenwart, aufgrund der Fakten der Vergangenheit - ich möchte ja auch meine Zukunft ändern können! Das ist ein Teil meiner Freiheit.

J.W.: Ist Chaos das differnzierte, das kreative Element?

P.W.: Es ist ein Teil der Theorie der Komplexität. Mit der Chaos-Theorie kann manbeweisen, dass sehr einfache, lokale Regeln, sehr schnell in komplexe Konstrukte münden können. Bisher hat man geglaubt, dass komplexe Gebilde nur mit komplexen Regeln entstehen können.

J.W.: Siehst du einen Unterschied zwischen der Kreativität der Wissenschaftler und der Kreativität der Künstler?

P.W.: Im Prinzip nicht, ich sehe nur einen Unterschied im Gebrauch. Beide gehen von der Intuition aus, Einstein hat das einmal sehr schön beschrieben, dass er eine Wolke von Intentionen und Gefühlen vor sich sieht und auch die mathematische Schule sagt: der menschlich Geist konstruiert die Ideen und mathematischen Begriffe. Dann versuchen diese Leute diese Intentionen zu Sprache zu bringen und stellen oft fest, dass die Intentionen größer sind als das Vermögen der Sprache selbst. Die Künstler müssen das genauso machen, sie knüpfen an Formalismen der Kunstgeschichte, oder machen Dinge die nicht einordenbar sind, was sie zu Außenseitern stempelt.

J.W.: Bestätigt die Chaos-Theorie dein Weltbild?

P.W.: Die Chaos-Theorie bestätigt nicht nur mein Weltbild, sondern auch die Kunst die ich vertrete, die elektronische Kunst, die Medienkunst - ich glaube dass die technische Medienkunst in der begrifflichen Umwelt der Chaos-Theorie besser aufgehoben ist als in den Galerien.

J.W.: Du gehst jetzt nach Frankfurt, wie baust du dein Institut dort auf?

P.W.: Der Versuch soll sein die Medienkunst aus zwei Umklammerungen zu lösen, aus der Umklammerung der Galerien und des Marktes und aus einer Technologie die aus den Massenmedien kommt. Es soll versucht werden, die beiden historischen Formen, hier Kunstmarkt, dort Fernsehen, zu überwinden.

J.W.: Dein Werk hier "Der träge Fluss im Aktenschrank", ist das ein Österreichbild?

P.W.: Das ist ein Österreichbild, ja.

J.W.: Was war das Konzept zu deiner Austellung: Virtuelle Architektur?

P.W.: Man darf den Begriff Architektur hier nicht so ernst nehmen, es ist eher ein Buch oder ein Bühnenbild, hier kann leicht auf- und abgebaut werden. Es ist ein materialisiertes Buch, es geht nicht um Ikonen, sondern um Ideen und Bilder, die auf verschiedenen Trägermaterialien aufscheinen. Das Trägermaterial ist eine Pasage. Das ist so wie beim Buch, ich weis, das Papier ist nicht das Bild. Was wichtig ist, ist Information. Als Ausstellungsmacher muss ich Zusammenhänge herstellen können, es ist nicht wichtig, dass das echte Bild hier ist. Die Zukunft wird sein, dass man Ausstellungen macht wie Bücher.

 

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Mit Harry Seidler: Zu Hochhausarchitektur

J.W.: Beziehen sie sich in ihren Architekturen nach wie vor auf Werte der Moderne, die sich ja von  überflüssigem Dekor befreit hatte:

H.S.: Das hat viel mit Architektur zu tun, mit der Ethik der Architektur. Ich finde wenn jemand zu viel Geld hat und alles einbringen will, so wird es weniger und weniger effizient. Wenn man sich beschränkt, hat das nicht nur ökonomische Vorteile, ich meine damit nicht einen Zwang zur Rentatbilität, in ästhetischer Hinsicht wird es wertvoller.

J.W.: Was bringen Zitate, wie sie die Postmoderne liebt?

H.S.: Ich glaube, dass die Architektur nichts mit Mode zu tun haben sollte. Architektur ist für längere Zeiträume gedacht. Insbesondere mißfällt mir das Stichwort : Vorwärts Kamerden, wir müssen zurück. Die Welt kann nicht dazu gezwungen werden, sich im letzten Jahrhundert wohl zu fühlen. Es ist erstaunlich, wie sich auf der ganzen Welt Historizismen verbreitet haben. Zumindest das Skelett der Bauten sollte sich heutigen Gegebenheiten stellen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn größere Bauaufgaben flexibel bleiben müssen, weil die Auftraggeber nur einen ungefähren Rahmen angeben können, die detaillierte Nutzung sich aber ändern wird.

J.W.: Muss gute Architektur teuer sein?

H.S.: Unsere Bauten sind relativ billig, daher gewinnen wir auch auch meistens die Wettbewerbe. Das heißt, sie sind insoferne rentabel, als das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, und wir sind flexibel bei den Verhandlungen mit Bauherren die nicht wirklich wissen was sie wollen, flexibel und dann doch konkret bei den Entwürfen. Ja, und schnell muss es auch oft gehen, da hilft dieser Bezug auf das Skelett, die kreative grundsätzliche Lösung der Bauaufgabe, in die dann Details eingefügt werden können. Ein klares Kernkonzept ermöglicht eine diffenzierte Verhandlung ohne die grundsätzliche Gestalt dabei aus dem Auge zu verlieren.

J.W.: Sie planen auch technische Entwicklungen der Zukunft bereits ein?

H.S.: Das wichtigste ist, dass die Struktur stimmt. Nachher kann die "Software" umgeändert werden. Die weichen Sachen kann man erneuern, auch in den Hochhäusern. Wenn da genug Schächte sind, dann kann man auch in Häusern die ich vor 30 Jahren gebaut habe, neu Aufzüge oder was immer gebraucht wird einbauen. Man kann dann leicht neuere, bessere, schnellere Systeme einbauen. Nach 20 Jahren ist manches überholt oder defekt und bedarf einer Erneuerung oder Aufrüstung. Das wichtige ist, das zu erkennen, und Architektur so universal zu machen, dass wenn die Menschen nicht plötzlich 3 Meter hoch werden, sie die Gebäude immer sinnvoll nützen können werden.

J.W.: Sie zielen darauf ab, dass man ohne sehr große Kosten nachrüsten kann?

H.S.: Ja. Genau. 

J.W.: Oft gibt es das Problem, dass Architekten währen des Bauens noch etwas verändern.

H.S.: Das gibt es bei mir nicht. Das sind verwöhnte Kinder.

 

 

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Mit Martin Sturm: Zum umgebauten OK in Linz

J.W.: Welche Funktion erfüllt das nun umgebaute OK in Linz?

M.:ST: Eine Grundvorstellung war die, dass wir uns überlegt haben, welche Bedürfnisse hat Gegenwartskunst. Das gegenwärtige, gewachsene Angebot erschien uns, nicht nur bei uns, nicht ausreichend. Wir überlegten uns, welche Gegebenheiten Künstler brauchen, die neue Dinge laborartig ausprobieren wollen. Die Museumssituation erschien uns zu starr, daher wollten wir einen Ort schaffen, der sich vom Produktionstechnischen und vom Raumangebot deutlich unterscheidet.

J.W.: Also etwas jenseits vom White Cube, der ja ursprünglich auch Flexibilität zulassen wollte, nun aber vorwiegend mit Ausstellungsarchitekturen zugebaut wird.

M.St:: Eine basial orientierte Struktur tut sich schon schwerer als eine Kunsthalle, das OK hatte immer eine andere Struktur. Auch das klassische Ausstellungshallensystem sieht sich nun mit neuen Anforderungen konfrontiert, weil z.B. Installationen von Medienkunstwerken andere Rahmenbedingungen brauchen. Es war ja schon die Gründungsidee des Ok geprägt von der Vorstellung, dass das alte Schulgebäude künstlerisch anders genutzt werden könnte. Die Verbindung mit dem Produktionsprozess ist durch die Schaffung guter Studios gegeben. Das spezifische am OK ist die Mischung von produzieren und ausstellen. Und, dadurch dass die öffentliche Hand als Geldgeber auftritt, sind wir nicht dem Druck des Kunstmarktes ausgesetzt.

J.W.: Wie weit geht das Angebot?

M.St.: Es können Künstler auch einmal etwas erproben, die mit einem interessanten Konzept herkommen, die aber dann die Erwartungen nicht erfüllen können. Der Prozess wie in einem Labor, wo auch nicht jedes Experiment zu einem Produkt führt, sollte für Künstler geschaffen werden, so wie das in der Wissenschaft üblich ist.

J.W.: Bezahlte Anlaufzeiten und Entwicklungsstadien wie sie für andere Produkte im Rahmen von Firmen und Universitäten üblich sind, sollen nun auch für den Bereich Kultur geschaffen werden.

M.St.: Künstler arbeiten ja heute zum Teil sehr interdisziplinär und auch mit der Wissenschaft vernetzt.

J.W.: Im musealen Bereich wird nun immer mehr Eigenfinanzierung gefordert, da hebt sich das OK mit seiner Finanzierung durch die öffentliche Hand ab.

M.St.: Das schafft einen sicheren Boden auf dem man experimentieren kann. Das heißt aber nicht, dass wir nicht versuchen, international relevant zu sein, denn das ist ja die beste Förderung für Künstler. Landesförderungen waren oft sehr regional, wir vernetzen regionale Künstler mit internationalen, Ausstellungsprojekte sollen von der kuratorischen Leitung bis zur Künstlerbesetzung erstklassig sein. In diese Projekte versuchen wir gute oder sehr gute oberösterreichische Künstler einzubinden.

 

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Mit Peter Weiermair: Rupertinum + Museum der Moderne

J.W.: Der Wetbewerb ist nun gelaufen, wie kann die Struktur in Zukunft aussehen?

P.W.: Ich habe das als Spielbein und hoffe auf ein dort als Standbein. Das Rupertinum sollte immer für das Medium Papier bleiben, es kann auch die Sammlung beherbergen. Es hat zwar eine zeitlang so ausgesehen, als ob man das Rupertinum demontieren wollte, oder es so schwach zu besetzen, dass es sich selbst ad adsurdum führt, jeztz glaube ich nicht mehr, dass das angenommen wird - es gibt das Rupertinum und dann das Museum moderner Kunst, welches ein Sammlungsmuseum sein soll. Mein Diskussionsbeitrag dazu ist, für wen? für welche Sammlung? für unsere Sammlung?

J.W.: Die ist zu klein?

P.W.: Die ist zu klein. Die ist ergänzungsbedürftig in jeder Hinsicht. Die Summen die hier zur Verfügung stehen kann man entweder auf wenige Dinge, oder auf einen Bereich, etwa den Bereich Fotografie konzentrieren. Man kann ja nicht in kurzer Zeit eine relevante Sammlung aufbauen. Meine Politik wäre, darauf hinzuarbeiten, dass es hier einen Ort gibt, der eine qualitative Struktur aufweist, und man dann mehrere Sammlungen versucht anzuziehen, Sammler zu motivieren, ihre Sammlungen hier zu parken. Warum nicht nach Salzburg?

J.W.: Muss es nicht jeweils vertrauensvolle Beziehungen geben, zwischen jenen, die Sammlungen angelegt haben  und jenen, die öffentlichen Häusern vorstehen?

P.W.: Klar, schon Otto Breicha hat dies ja hier im Rupertinum getan, denn er hat auch für Leihgaben gesorgt. Und ich habe auch bevor ich hierher gekommen bin, zwei Projekte mitgebracht. Wir werden hier nicht nur monografische Fotoausstellungen machen sondern auch Themenprojekte, die von hier aus vermarkltet werden sollen. Von Frankfurt bringe ich schon auch einige Sponsoren mit, also nur hier warten was mit den Subventionen geht, ist schon nicht meine Vorstellung.  In Frankfurt mußte ich allerdings auch immer Geld für einen interessanten Ausstellungsbetrieb aufstellen, wenn man keinen Ausstellungsbetrieb vorhat, muss man das halt nicht...

J.W.: Eine vielleicht seltsame Theoretisierung greift im Ausstellungswesen gerade Raum, sie wollen nach wie vor Originale zeigen, da kostet natürlich.

P.W.: Ich habe den Ehrgeiz auch "Prospect" (Fototriennale) hier zu machen, mit der Schirn (Kunsthalle Frankfurt) in Kooperation, da habe ich allerdings noch keine Landesdeckung in Salzburg und keinen Sponsor in Salzburg, ich muss sozusagen beim Punkte null anfangen für Prospect2000 z.B. müßte ich schon das Engagement des Landes sehen.

J.W.: Aber, Prospect, da reicht wohl der Platz nicht im Rupertinum.

P.W.: Das müßte ein anderer Ort sein, eine leere Industrieanlage, sowas gibt es, die Räume hier lassen nur ein gewisses Programm zu. Allerdings hätte ich gerne, wenn sich die Leute sagen könnten, wir kommen eigens nach Salzburg, um sich diese Ausstellungen anzuschauen.

 

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            *Jänner 2008*                  

                                                                                                                                     Vorratsdatenspeicherung in Österreich

Neben mehreren privaten Initiativen, die derzeit wichtigste Unterschriftensammlung:

Nicht alles was technisch möglich ist, kann auch für einen Staat zulässig sein!

www.ueberwachungsstaat.at

 

                                                                                         

                                                                                                                                        Ein Wiki für Statements *Dezember 2007*

e-motionArtspaceCommunity diskutiert Qualitätskriterien zu Kunst und neue Medien:

Auf dem sehr einfachen, leicht handhabbarem öffentlichen Wiki, kann man einsehbare Statements posten, Bilder ablegen, Links angeben..... 

www.wikispaces.com/e-motionArtspaceCommunity

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FrankfurterBuchmesse-Gespräche *November 2007*

Über das Vergnügen an den Büchern die "im Gespräch" gefunden wurden.

Verführung mit Aspirin von der catalanischen Autorin Empar Moliner wird hier gerade diskutiert. Die Gespräche mit Autoren auf der Buchmesse ziehen mehr Leute an als reine Lesungen. Die Kombination von Kunst und Leben gefällt. Empar Moliner skizziert scharf, zynisch, aber dennoch mit Wärme Beziehungsversuche, vor Ort gerade solche innerhalb der Literatenszene. Ihre Offenheit ist verblüffend, vor allem wenn man bedenkt, dass sie als Autorin von Büchern, aber auch als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Medien tätig ist - da kann man sich gleich mehrfach in die Nesseln setzen. Das hält sie offenbar frischen Mutes aus und das macht sie so sympathisch.

In einer Zeit, in der man geradezu zwanghaft Erfolg haben muß um überhaupt als Mensch akzeptiert zu werden, ist das Bekenntnis zum Scheitern geradezu erfrischend. Der Pop-Star, der mehrmals ganz schön tief gefallen ist, breitet hier vor allem seine Tiefs aus, weil sie ihm am meisten gebracht haben für seine Entwicklung und er sich auch viel heftiger an seine Pannen erinnert, als an seine Erfolge. Ermutigend daran ist, dass ein Mensch immer wieder neu beginnen kann, sich aus Krisen wieder hocharbeiten kann, aus Dummheiten lernt, Schwächen überwindet und letztlich dadurch Stoff für Lieder hat und vor allem die schönen Zeiten und die schönen Seiten des Lebens bewußt genießen kann, Talent, Visionen und Sensibilität einemal vorausgesetzt.

Bei WELT BEWEGEN von Heidemarie Wieczorek-Zeul, der deutschen Entwicklungsministerin und Gouverneurin der Weltbank, ist es genau umgekehrt, hier liest man endlich nicht nur was getan werden sollte, sondern was getan wurde und das sieht nicht schlecht aus. Positive Aspekte werden in den Medien kaum je so ausführlich besprochen wie die Defizite. Dranbleiben und den Mut nicht verlieren, Rückschläge nicht als endgültig auffassen und vor allem die Einstellung, dass die Unterstützung des Aufbaues demokratischer Strukturen, die Unterstützung von elementaren strukturellen Notwendigkeiten wie sauberes Wasser, Schulbildung, Gleichberechtigung von Frauen, die besten Investitionen für den Frieden sind, kennzeichnen ihre Haltung. Sie propagiert den Weg den Europa gegangen ist und bereit ist in Zukunft zu gehen, setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe, arbeitet gerne mit NGOs zusammen. Unter "Die Töchter Benins" berichtet sie z.B. über ein Volksfest, welches die Ächtung der Genitalverstümmelung in Benin 2005 feierte, nach langer Überzeugungsarbeit vor allem von (I)NTACT einer Aktionsgemeinschaft aus Saarbrücken, waren schließlich sämtliche Würdenträger, Priester und auch die Beschneiderinnen und Beschneider überzeugt worden und mehr als 1000 Dorfkomitees wachen nun darüber, dass dies nicht mehr vorkommt - Benin war der erste Staat, der zwei Jahre zuvor Genitalverstümmelung verbot ( in vielen Staaten Afrikas, der arabischen Halbinsel und Teilen Asiens ist dies immer noch Praxis). 2005 wurde auch der Gender-Aktionsplan der Weltbank ins Leben gerufen, der die Teilnahme von Frauen am Wirtschaftsleben fördern soll. In Afrika gilt heute die Förderung von Frauen als Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung, da ihnen oft die Ernährung der Großfamilie aufgebürdet ist (die Männer machen Krieg, gehen als Wanderarbeiter oder drücken sich überhaupt vor der Verantwortung) so bleibt vor allem die Landwirtschaft zunehmend Frauensache. Mit Microkrediten hat man bei Frauen gute Erfahrungen gemacht - sie machen in aller Regel was draus, bauen ein kleines Geschäft auf - das ist Armutsbekämpfung ohne den Geruch von Almosen und verändert auf die Dauer ein klein wenig die Statistik: Frauen besitzen 1% des globalen Vermögens, verdienen 10% des globalen Einkommens und machen 70% der Gratisarbeit!

Gespräche ergeben sich auf der Frankfurter Buchmesse überall, auch zwischen Besuchern - das Ambiente ist einfach inspirierend und motovierend. Und außerdem kann man noch für sich selbst oder liebe Freunde ein signiertes Buch frisch von der Diskussion weg mitnehmen.

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                                                                                                                                  Everyone is an Expert - Qualitätskontrolle von "user-created content"

Ein brennendes Thema im Gespräch LINK zu einer gut gemachten Sache.

* Oktober 2007 *

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Heribert Hirschmann: TerraBite in Second Life *September 2007*

Ein Gespräch im Medienkunstlabor Graz (Kunsthaus)

H.H.: Als ich mir einen Namen für das Projekt überlegt hatte, ist mir gerade ein Prospekt von Saturn in die Hände gefallen....

J.W.: Aber da war Terabite mit einem "r" gemeint?

H.H.: Eine Terabiteplatte um 350€, habe ich mir gedacht, "Wahnsinn", meine erste 20 MB Festplatte hat 7000 Schillinge gekostet! Dann habe ich mir gedacht, wenn man Terrabite mit 2 "r" schreibt, dann ist es ErdBite. Leider ist der Name schon vergeben, terrabite.com ecetera.....

J.W.: Und zu den 5 Modell-Avataren, mit denen man hier vor Ort an 5 Stationen die Medienkunsthauptstadt Graz erkunden kann, gab es da auch bestimmte Überlegungen?

H.H.: Es sollten alle den Namen Merlin haben, als Familienname, aber das ging nicht....so haben sie jetzt andere ähnliche Namen

J.W.: Worauf liegt der Focus, auf "Graz" oder "Medienkunsthauptstadt"?

H.H.: Die Insel heißt "Graz", und die Gruppe heißt "Medienkunsthauptstadt Graz" und da können in Second Life alle die wollen, der Gruppe beitreten, die bekommen dann auch Informationen, wenn auf der Insel Veranstaltungen, Ausstellungen sind und dergleichen, wie das so in Second Life üblich ist.

J.W.: Und die Insel, die muss man ja mit Linden Dollar kaufen, die aber reales Geld kosten - ist der Kauf der Insel jetzt als Kunstprojekt von Graz oder wem immer gesponsert worden?

H.H.: Ich bin von Peter Pakesch (CEO der Kunsthäuser in Graz) eingeladen worden ein Projekt für das Medienkunstlabor einzureichen, damals hatte ich gerade mit Second Life begonnen, war damals noch als Camper in Second Life unterwegs und habe sogar 1.600 Linden Dollar als Camper verdient.

J.W.: Geld verdient? als Camper? Wie macht man das?

H.H.: Am einfachsten ist es, wenn man sich auf eine Badematte an einen schönen Strand legt. Da verdient man so 2 bis 4 Lindendollar pro Stunde. Dabei geht es nur um Präsenz, die Leute wollen, dass viele Leute da sind.....

J.W.: Oft sieht man ja auf weiten Strecken in Second Life schöne Architekturen, riesige Modegeschäfte und einsame Strände, es kommen aber nur wenige Leute angeflogen, oder teleporten sich dorthin.

H.H.: Na, es ist schon viel los, wenn man sich bei entsprechenden Gruppen einloggt, die Informationen und Ankündigungen wahrnimmt, dann ist zum entsprechenden Zeitpunkt schon viel los. Dann trifft man Freunde, erkennt sich wieder, andere haben vielleicht ihr Aussehen verändert, man kennt aber den Namen, den hat man ja automatisch in der Liste der Freunde und Gruppen. Man bietet Leuten Freundschaft an, mit denen man lustig geredet hat, der andere akzeptiert die Freundschaft....

J.W.: Wenn man nicht so faule Freunde hat, die nur ganz selten online gehen, dann hat man auch was davon....

H.H.: Man sieht ja den OnlineStatus von den Freunden. Es ist auch nicht einfach herauszufinden, wie alt Personen sind, und ob sie nicht als anderes Geschlecht unterwegs sind, aber wenn man lange mit den Leuten redet, kommt das schon alles heraus. Außerdem sind sehr viele gescheite Leute in Second Life unterwegs, man kann schon recht interessante Unterhaltungen führen. Inzwischen kann man auf dem ganzen Grid die Stimme einsetzen...

J.W.: Dadurch ist man dann mehr charakterisiert - ist ja blöd, wenn man dann Kreide essen muß

H.H.: Na ja, eine Frau, die eigentlich ein Mann ist, wird wahrscheinlich keinen VoiceChat machen wollen. In Graz gibt es sehr wenig Leute, die Second Life überhaupt kennen, und noch weniger die regelmäßig dort auftauchen. Daher habe ich dieses Projekt gemacht. Es war auch sehr kurzfristig, die Insel Graz hat es zur Eröffnung der Ausstellung im Medienkunstlabor noch nicht gegeben. Die Projektionen auf die Tücher hier, die man auch von draußen, von der Straße sieht, aber erst bei Einbruch der Dunkelheit, haben viel Verwunderung ausgelöst, die Leute konnten sich nicht vorstellen, woher die sich bewegenden  Bilder kommen und haben immer nach irgendwelchen Spiegelungen gesucht. Es spiegelt sich aber nichts, da steht nur das freie Bild (aus Second Life) im Raum.

J.W.: Bisher, während der Ausstellung, konnten alle die wollten, etwas auf der Insel bauen, wie in den "Sandkisten" mit den Tools von Second Life. Unter Medienkunsthauptstadt hatte ich mir eigentlich ein Projekt für Künstler, kreative Techniker, kreative Medienschaffende vorgestellt.... also was Besonderes....

H.H.: Das kommt ja erst! Dabei kommen nicht nur Medienkünstler in Frage, sondern Künstler die in Second Life etwas verwirklichen können, das in RealLife nicht geht. Ich sehe mich ja auch nicht als "Medienkünstler", sondern als "Bildender Künstler", auch wenn es 20 Jahre her ist, dass ich etwas auf Leinwand gemalt habe und seither der Computer Inhalt und Werkzeug gleichzeitig war. Es gibt allerdings ein Problem, was mache ich, wenn da Leute ihre Aquarelle deponieren wollen, oder so ähnlich, dann lasse ich sie halt eine Weile gewähren und schlage dann einen Terrainwechsel vor....

J.W.: Wer ist der Besitzer von der Insel? Man kann ja nur mit der Erlaubnis des "Owners" bauen.

H.H.: Der Besitzer bin ich und sozusagen Kurator. Daher bin ich schon jetzt mit gewissen Feindseligkeiten konfrontiert. Da gibt es z.B. hier wieder....eine Anhäufung sehr einfacher, großer Objekte, die dann auf der ganzen Insel vervielfältigt werden, das kann man ja mit einem Klick, viel Platz verbrauchen, sozusagen Terrain zumüllen. Ich kann als Besitzer diese Objekte natürlich entfernen, zurück in die Obhut der Kreatreure, die dann weiter über diese verfügen können (woanders hinstellen, löschen) aber da können dann Leute sagen, der hat meine schönen Objekte gelöscht - dabei sind sie ja nur von der Baustelle Graz gelöscht und ins private Depot der Erzeuger verschoben.

J.W.: Es geht wohl auch um Neudefinitionen von Kunst, von Medienkunst??? 3D, Architekturen in öffentlichen Räumen und vieles mehr - Medienkunsthauptstadt - das kann ja nicht wie ein Kurs in einer Volkshochschule ablaufen, bei dem man etwas über Second Life lernt.

H.H.: Ich habe ja schon vor einem Jahr hier im Medienkunstlabor, zumindest für mich selbst Medienkunst zu definieren versucht, indem ich ein Projekt gemacht habe, das nur in den Medien stattfindet, bei dem ich dann bei der Ausstellungseröffnung nur die Medien ausstellte. Es war da eine Sache, ein Taxichauffeur wurde ermordet und ich habe einen Gedenkstein gefunden, herumgefragt, aber niemand wußte etwas - so habe ich mir gedacht: Ich suche den Mörder. Es war zwar damals ein riesiger Aufruhr, ein Trauerzug mit 100 Taxis.................nun ja, ich habe den Mörder tatsächlich gefunden, darüber war ich selbst überrascht. Es war kein Raubmord, es war eine Beziehung, der Mörder wollte seinen Freund als Mitwisser aus dem Weg schaffen. Das war dann für mich Medienkunst. Da hat man auf Zeit und Ort warten müssen, da hat alles passen müssen. Der Mörder ist da wo wir jetzt sitzen ins Taxi eingestiegen und hat dann seinen Fahrer umgebracht. Und ich habe gewußt, wenn ich den ORF haben will, muß der ORF als ersten Satz sagen können, "Heute vor 75 Jahren". Ich habe z.B. viereinhalb Jahre gewartet mit dem Projekt, damit der ORF sagen kann: Heute, vor 75 Jahren.......Es funktioniert sonst nicht, wenn du die Medien haben willst, muss alles passen. Es hat funktioniert, die Pressekonferenz war bis zum letzten Platz voll. Der Taxichauffeur hat Schöberl geheißen, Leopold Schöberl.....ich habe allen original Schöberlsuppe kredenzt...... Es hat Doppelseiten gegeben bei Berichten.....

J.W.: Und "Graz", ich meine die Insel, was hat sie für eine Struktur?

H.H.: Die TerraBite Insel geht ganz tief in die Erde und ganz hoch in die Wolken, der Raum wird sehr gut ausgenützt. Es gibt da Hochplateaus und Höhlen und überhaupt ein ganzes Labyrinth, da habe ich mich schon selbst fast verirrt. Und da ist sozusagen ein Jakobsweg mit 100 Quadratmeter großen Stufen, auf denen kann man z.B. bauen........

J.W.: Und gibt es außer dem Tool "Bauen" in Second Life was Schlaueres, das man importieren kann

H.H.: Da gibt es ein Freeware Programm, mit dem man reelle Körper bauen kann.

J.W.: Die Bewegungen der Personen sind auch ein bisserl eckig....

H.H.: Das hat auch mit der Maschine zu tun, je schneller die Verbindung ist, je besser die Grafikkarte ist, umso besser das Resultat. Die Mindestanforderungen die Second Life anführt, funktionieren inzwischen überhaupt nicht mehr...es wird ja alle paar Wochen was Neues eingeführt....

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August 2007

Speakers Corner auf Urlaub: Ein Blick in ein anderes Modell:

Webby Awards on: THE RED COUCHE

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URSULA HENTSCHLÄGER: Informationsarchitektur *JULI 2007*

J.W.: Du hast kürzlich einen Preis in Linz bekommen....

U.H.: Ja, der wird für Informationsarchitektur vergeben.

J.W.: Unter Informationsarchitektur ist da jetzt deine theoretische, schriftstellerische Arbeit gemeint?

U.H.: Ich würde sagen alles was ich mit Zelko(Wiener) entwickelt habe unter "Zeitgenossen" und auch meine theoretischen Arbeiten, sei es jetzt "Paramour" oder noch vorher....

J.W.: Also alles was du zu Netzkunst, Netzkultur gemacht hast, nicht deine Science Fiction Texte

U.H.: Ich nehme das an, weil sie bei der Preisverleihung sehr auf die Informationsarchitektur eingegangen sind, das war sehr schön, man bekommt immer gern Preise

J.W.: Da du jetzt notgedrungen ohne Zelko weiterarbeiten mußt (Zelko Wiener starb letzten Herbst) was machst du mit der Webseite www.zeitgenossen.com 

U.H.: Die Webseite wird demnächst ein Update erhalten und damit werde ich diese Arbeit abschließen und dort im Onlineportfolio mitteilen warum. Die Trilogie war fertig, ich lasse das dann so im Netz stehen. Ich habe darüber nachgedacht, was ich wirklich allein machen kann, und habe mich entschlossen, wieder zum Text zurückzugehen und ich plane eine Retrospektive über Zelko.

J.W.: Du hast ja als seine Frau alle Unterlagen und noch dazu so lange so intesiv mit ihm zusammen gearbeitet, das bietet sich wirklich an.

U.H.: Was vor meiner Zeit mit Zelko war, muss man halt in Gesprächen eruieren.

J.W.: Bei seinem Begräbnis war die Wiener Medienkunstszene und darüber hinaus vertreten, man sah da Leute, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat, man könnte sagen österreichische Medienkunstgeschichte. Du hattest dich ja immer wieder als Autorin geoutet, und neben theoretischen Schriften auch, darf ich das so sagen Science Fiction geschrieben.

U.H.: Ja, die "Martscherie" (Martscherie oder das Leben in der Versuchung)

J.W.: Einmal sagtest du mir mitten in einem Telefongespräch, ich lebe ja eigentlich schon total im Netz. Ihr hattet ja auch ganze Welten im Netz aufgebaut.

U.H.: Ich habe unlängst ein Frau in meinem Alter kennen gelernt, die sagt das auch. Das ist auch ganz klar, im Büro immer im Netz, zu Hause wieder im Netz, nur alte Leute scheinen sich da zu verweigern, sind nicht im Netz. Man ist immer online, das ist aber auch ein Stress. Auf unseren Forschungsreisen haben wir immer wieder eine E-Mail-Verweigerung durchgeführt, sind nicht online gegangen und das war dann eine ganz andere Art von Leben.

J.W.: Du hast jetzt noch ein Projekt in Linz laufen, sah ich im Internet, ein Vorprojekt zur Kulturhauptstadt, mit mehrsprachigen Textinstallationen in Kaffehäusern

U.H.: Das würde ich schon gerne machen, das ist ein Vorprojekt, ob es wirklich realisiert wird ist noch nicht gesichert. Es war ursprünglich sowohl im Realraum als auch im Web angedacht, ich würde mich jetzt aber auf den Realraum konzentrieren.

J.W.: Das wäre ja auch dein Bereich, die Texte. Sind die Textmobiles aus Plexi?

U.H.: Ja, ich hab da schon ein bisserl probiert. Die Mobiles sind als bewegtes Element, das aber in sich sehr stabil ist gedacht. Das ist eigentlich sehr ideal für mich. Denn andere Sachen, die wir in einer Partnerschaft gemacht haben, wo alles zusammen gemeinsam konzipiert wurde, lassen sich jetzt nicht mehr verwirklichen. Es ist sehr wichtig für mich über die Machbarkeit nachzudenken, was kann ich jetzt allein wirklich gut machen. Es ist jetzt wichtig, Dinge zu machen, die Freude machen, denn das war es auch, was das Leben so schön machte in der Partnerschaft, in der wir alles ausdiskutiert haben. Jetzt muss ich sehen, dass die Dinge die ich mache auch handhabbar sind.

Bücher: PARAMOUR, Kunst im Kontext neuer Technologien, mit Katharina Gsöllpointner, Triton

              WEBFICTIONS, mit Manfred Faßler und Zelko Wiener, Springer, Wien

              WEBDRAMATURGIE, Das audio-visuelle Gesamtereignis, 3D, Streaming, Flash

              Mit Zelko Wiener, Mark t+Technik

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                                                                                                                         MANFRED WAKOLBINGER: Zeichen in Räumen *Juni 2007*

www.manfredwakolbinger.at

J.W.: Deine Objekte sehen in letzter Zeit wie Zeichen, fast wie Schriftzeichen aus.

M.W.: Das haben mir schon mehrere Leute gesagt. Aber eigentlich gehe ich von Möbeln und von Körpern aus. Auch vom negativen Abdruck des Körpers. Es gibt so eine Leitvorstellung bei mir; es gibt bei den Aschanti diese Aschanti-Hocker. Jeder hat da so einen Hocker, den bekommt er zur Initiation, der wird für ihn geschnitzt, den hat er sein Leben lang. Auf dem sitzt er immer und nimmt ihn überall hin mit. Es gibt dort keinen Friedhof, der Körper des Gestorbenen wird irgendwo verscharrt, das ist nebensächlich, der Sitz kommt in das Sesselhaus, weil sie sagen, es kennt dich niemand so wie dein Sessel, deine Seele bleibt in dem Sessel. Von dem gehe ich aus, wenn man bei meinen Objekten Liegen assoziiert, ist der Abdruck des Körperhaften, der Geist in den Liegen, von solchen Überlegungen gehe ich aus.

J.W.: Jetzt ist noch etwas hinzugekommen, du hast ja in den letzten Jahren auch mit Fotografie gearbeitet, als Teil deiner Kunstartikulationen, deine Objekte stehen in Landschaften und interagieren mit den Bildern in die sie kopiert sind.

M.W.: Ich nenne diese Arbeiten Placements. Ich mache viele Reisen, fotografiere viele Landschaften, oder Situationen in Städten und diese führe ich dann zusammen, die Fotografie und meine Objekte. Das ist so ein Spiel das hin und her geht, ob ich jetzt ein Objekt für einen Platz mache - ich habe ein Foto, da würde ich gerne eine Skulptur von mir stehen haben und entwerfe dann für den Platz eine. Oder es gibt Skulpturen die ich schon habe und ich komme dann mit Fotos von einer Reise zurück und ich sehe, da paßt genau die rein. Ich nenne das Placement weil es so wie Statements sind, diese für mich idealen Plätze, das hat aber auch viel mit Humor zu tun. Wenn ich da zum Beispiel in Kuba zufällig in so ein Tanzstudio gekommen bin und die eine Unterrichtsstunde in Ballett haben, und ich diese Fotos auswerte und Skulpturen dazu mache, ist das für mich auch eine Anregung. Die Skulptur hat es vorher nicht gegeben, ich wollte dann dazu etwas Entsprechendes machen.

J.W.: Das ist eine tolle Erweiterung deiner Arbeiten, nach wie vor gibt es aber auch Aufträge für Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum von dir.

M.W.: Von dieser Art habe ich kürzlich in Linz eine große Arbeit gemacht, wo das Zeichen über eine Treppe hinauf geht, das ist 12 Meter groß. Ich zeig dir das. Von diesen anderen sind auch schon manche Dinge verwirklicht worden, wenn zum Beispiel jemand zu mir ins Atelier gekommen ist und sich gerade ein Haus gebaut hat und gesagt hat, diese will ich aber in groß, und das ist dann ausgeführt worden.

J.W.: Das ist eine gute Idee, der Katalog an Modellen. Machst du die alle in Kupferblech?

M.W.: Ja, weil ich das in meinem Atelier selbst machen kann, und die grauen sind gepritzt. Die großen Objekte sind dann in Stahl.

J.W.: Wie entwirfst du die Skulpturen?

M.W.: Schon längere Zeit am Computer. Das ist sehr praktisch, wenn man die Objekte so dreidimmensional vor sich sieht, man erspart sich auch Fehler, diese Ideen die nicht so überzeugen, muss man ja dann nicht ausführen.

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PARALLEL MEDIA: Hofstetter Kurt + Barbara Doser   *Mai2007*

Zur Zusammenarbeit und dem Zusammenleben von KünstlerInnen

Auf www.sunpendulum.at geben beide alles korrekt ein.

J.W.: Wie bist Du so früh auf den Computer gekommen, was war der Anknüpfungspunkt?

H.K.: Es war eigentlich eine Hilfestellung meiner Schwester gegenüber, die hatten ein Reisebüro gehabt, und die hatten Computerprobleme gehabt und ich hatte zu der Zeit Mathematik in Innsbruck studiert, war aber schon 1984 mit meinen Lichtausstellungen unterwegs....Die Computerkenntnisse hatte ich mir selbst angeeignet.....

J.W.: Wie sah dein erster Computer aus?

H.K.: Zuerst habe ich in Firmen auf Computern gearbeitet die so groß wie eine Couch waren, die so schwer waren, dass man sie nur zu viert aufheben konnte, in einer Computersprache die Cobol geheißen hat, die eine Leistung von 2K oder 4 K hatten, mein erster Computer war ein Phillips Portable, der hat aber immer noch 15, 9 kg gehabt, aber schon 2 Diskettenstationen, damit habe ich meine Diplomarbeit geschrieben, 120 Seiten.

J.W.: Du hast Mathematik studiert...

H.K.: Ja, Mathematik und Geographie, wobei das eine alte Studienrichtung war, Geographie hat mich nicht so interessiert, Mathematik aber sehr, ich hatte das auf der Philosophie gemacht. Dort hatten mich diese mehrdimensionalen Gebilde interessiert, die dort entworfen werden, oder abstrakt diskutiert werden und deren Reflektionen auf die Erde oder den dreidimensionalen Raum, die Beschäftigung mit Unendlichkeit hat mich sehr fasziniert. Ich habe diesen Studienbereich auch abgeschlossen, mit Prüfungen bei denen mich der Professor eigentlich weit eher über meine künstlerischen Arbeiten ausgefragt hat.

J.W.: Für dein Studium war die Computerwissenschaft aber keine Voraussetzung? Und die Barbara hattest du damals kennen gelernt, als sie Kunstgeschichte studierte?

H.K.: Die Barbara hatte ich 1982 kennen gelernt.

J.W.: Und du hast dann auch deine Arbeit auf dem Phillips Portable geschrieben?

B.D.: Meine Doktorarbeit, aber das war dann erst 1985, an der Akademie, da waren wir schon in Wien, das war dann ein Atari.

J.W.: Die Arbeit am Computer, hat sie nicht auch Schattenseiten?

B.D.: Ich entwickle da manchmal ein soziales Problem. Da sitze ich so lange bis meine Arbeit fertig ist, und wenn sie dann endlich fertig ist und ich kommunizieren möchte, hab ich dann damit ein Problem.

J.W.: Die Arbeit in der Gruppe, mit anderen Künstlern, ist das für euch erstrebenswert?

H.K.: Das kommt drauf an. Ich habe manchmal in Gruppen gearbeitet, in einer Musikgruppe, wobei man das nicht im klassischen Sinne als Band auffassen kann, mit Garry Danner zwischen 1974 und 1978 zu Gymnasialzeiten die Musik der 60er Jahre studiert, wir sind schon sehr tief gegangen und haben uns auch visuell betätigt. In den 80er Jahren habe ich mich dann sehr in diese Computerei hineingelassen, weil ich Angst gehabt habe vor Begriffen, die mir nichts sagen, ich wollte es einfach genau wissen. Die Begriffe der Files und der Programmierung habe ich dann zu verstehen gelernt und diese grundlegenden Zusammenhänge sind bis heute unverändert.

J.W.: Heute ist es aber leichter, oder je jünger die Leute sind, je eher finden sie einen spielerischen Zugang.

H.K.: Das meiste an Wissen habe ich mir in der Natur angeeignet.

B.D.: Der Kurt ist nicht wie jetzt die Leute mit einem Laptop hinaus gegangen, sondern einfach mit den Büchern irgendwohin, um sie zu studieren.

H.K.: Als dann 90, 91 die Windows und Mac – Systeme aufgekommen sind, die sich dann so gebissen haben, da habe ich mich verabschiedet, dann bin ich nicht mehr so in die Tiefe gegangen.

J.W.: Du bist demnach kein Gläubiger, z.B. es muss Mac sein, weil wir arbeiten mit Fotos, oder jetzt, es muss Linux sein, freie Software.

H.K.: In den 80er Jahren hat mich interessiert, dass man sich ein klein wenig auch mit Steuerungen beschäftigen kann. Ich arbeite jetzt noch mit ganz einfachen Steuerungen, auch jetzt bei der neuesten Arbeit im Museumsquartier (Raumkuss), es ist ein ganz kleines Programm.

J.W.: Aber bei Sunpendulum, wie gehst du da vor?

H.K.: Bei Sunpendulum kann ich auf meine Programmierkenntnisse nicht mehr zurückgreifen.

J.W.: Der installative Raum für Sunpendulum, der im Internet schon sichtbar ist, ist der real schon irgendwo aufgebaut?

H.K.: Das Sonnenpendel gliedert sich in zwei Teile. Das eine ist das Projekt Inplusion, das umfasst im Wesentlichen die 12 Zeitaugen rund um die Erde, die sind installiert. Das Gebäude ist noch im Planungsstadium.

J.W.: Die Zeitaugen sind alle an Universitäten installiert.

H.K.: Die sind alle an Universitäten installiert, nur in Bermuda in einem Forschungsinstitut.

J.W.: War das nicht schwierig?

H.K.: Alle Universitäten mussten überzeugt werden, manche haben gleich ja gesagt, manche haben sich sehr, sehr Zeit gelassen und manche waren nur über diplomatische Umwege zu erreichen, brauchten diplomatische Hilfe, dass sie das unterschreiben können.

B.D.: Im asiatischen Raum war es schwieriger, Tokoi, oder Indien, Indien hat 3 Jahre gedauert, bis das konkret wurde.

H.K.: Man muss sich halt auch vorstellen, wie das ist: Ich schreibe denen ein paar Zeilen und verlange von ihnen eine permanente Kollaboration. Und sie haben nichts was sie den Studenten zeigen könnten, sie sind nur partizipativ dabei.

B.D.: Und mit englisch allein, wäre die Kommunikation auch nicht gegangen, es mussten mehrfach Übersetzungen gemacht werden und auch Videos sychronisiert.

H.K.: Es wird sehr viel Respekt verlangt vor ihrer eigenen Sprache und ihrer eigenen Kultur. 

J.W.: Macht ihr sehr viel gemeinsam?

H.K.: Gemeinsam machen wir in erster Linie die Videoarbeiten, auch installative Arbeiten im Multimediabereich.

J.W.: PARALLELMEDIA meint das, dass sich der Künstler, die Künstlerin doch auch fallweise als Einzelnes abgrenzen will?

B.D.: Wir grenzen immer genau ab, ob es ein Projekt ist an dem beide gleich stark beteiligt sind, ob es ein Projekt einer Person ist, oder ob eine Person nur dokumentarisch beteiligt war, wie ich z.B. bei Sunpendulum, und das steht auch immer so in den Dokumentationen. Bei den Videos habe ich angefangen ohne Kurt, jetzt hat es sich aber so entwickelt, dass wir in den letzten Produktionen zusammen gearbeitet haben. Also die drei letzten wichtigen Arbeiten der abstrakten Videos z.B.

J.W.: Es ist schon ein Unterschied, ob man sich einen Namen gibt als Label, oder ob jeder Künstler, Künstlerin, auch unter eigenem Namen publiziert.

B.D.: Das ginge bei uns nicht, das Label, weil Kurt viele eigene Dinge hat mit denen ich nichts zu tun habe. Das Sonnenpendel hat eigentlich nichts mit Parallelmedia zu tun, da arbeite ich nur untergeordnet mit, mache die Dokumentation. Der Kurt hat umgekehrt nichts mit meiner Malerei zu tun.

J.W.: Abgrenzend zu andern Künstlern erscheint es so, als ob ihr beide sehr ähnliche Interessen hättet.

B.D.: Generelle Grundzüge schon, ich gehe aber viel intuitiver vor, experimentiere...

H.K.: Bei mir kommt es meist  zu einer Intuition und dann weis ich sehr genau, was ich will. Bei fundamentalen Dingen gibt es aber Parallelen.

J.W.: Ihr habt ja beide vorerst was anderes studiert, Kurt die Mathematik, Barbara Kunstgeschichte, jetzt aber versteht ihr euch als Künstler.

H.K.: Ich habe ja 10 Jahre gebraucht, bis ich mich zum Künstler bekannte. Obwohl, im hintersten Stübchen meines Gehirns war ich immer Künstler. Angestellt war ich sowieso nie, auch nicht in der Zeit als ich mich als Programmierer betätigte. Der Zivildienst, das war das einzige Fixe, doch damals hatte ich auch eine Chance in Hannover auszustellen, hab mir 12 Tage frei genommen und meine Installation dort gemacht. Das habe ich einfach tun müssen, damals habe ich meine Besessenheit erkannt, gesehen was in mir steckt. Ich habe alle gesellschaftlichen Dinge über Bord geworfen, wir waren auch ein Jahr getrennt.

J.W.: Hast du dich von Barbara getrennt?

H.K.: Nein, nein, um Gottes Willen, das war die Barbara!

B.D.: Ich hatte gerade mein Studium abgeschlossen, und ich habe geglaubt zu wissen: So, jetzt gehe ich in die Werbung. Ich bin kreativ und tue Geld verdienen, ja. Das war das eine Jahr Trennung. Dann hatte sich Kurt definiert, als Künstler. Er hatte dann bald danach das Projekt Wien Mitte realisiert.

J.W.: Das ist nun das, womit er in Wien einer Kunstszene bekannt wurde.

B.D.: Kurt hatte auch vor mir schon Videos gemacht.

J.W.: Wie lange hattest du in der Werbung gearbeitet?

B.D.: 3 Jahre, als Grafikdesignerin. Das war unmöglich. Und der Kurt hatte mir dann vorgeführt, dass man auch ohne so was leben kann, das habe ich dann auch gemacht.

H.K.: Ein großer Faktor unserer gemeinsamen Arbeit ist, dass wir ähnliche Intentionen haben, und ähnliche Qualitätsansprüche.

B.D.: Du hast nach Arbeit in Gruppen gefragt. Kurt hat schon öfter Gruppenarbeiten initiert. Wenn dabei jeder seine eigenen Arbeit gemacht hat, und die Ergebnisse dann zusammengeführt worden sind, hat das schon geklappt, aber wenn das eine Arbeit als Gruppe hätte sein sollen, hat das immer zu sehr großen Schwierigkeiten geführt. Eigentlich war dann jeder froh, wenn es wieder vorbei ist.

H.K.: Es ist auch das Geheimnis unserer jetzt 15 Jahre Zusammenarbeit, dass wir doch unseren eigenen Bereich, unsere eigenen Spielräume geschaffen haben, dass wir auch unsere eigenen Projekte machen. Wenn es aber zu dem Punkt kommt, dass wir zusammen arbeiten, da fliegen manchmal die Fetzen. Bis sich zwei eigenständige Künstler soweit nähern, dass sie in einer Zusammenarbeit aufgehen, da fliegen die Funken bei den Stromkreisen.

B.D.: Bis jeder zufrieden ist, das ist sehr energieaufwändig.

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Die beiden Kunstwerke im "öffentlichen Raum" von Hofstetter Kurt, am Südbahnhof und am Bahnhof Wien Mitte sind nach wie vor so aktuell für die Medienkunst, dass die Stadt Wien gefordert ist, dafür zu sorgen, dass sie nicht durch den Umbau der beiden Bahnhöfe, der ja jetzt ansteht, verschwinden. Eine geeignete Neupositionierung wird das Gebot der Stunde sein, was sich einfacher gestaltet, wenn der Künstler selbst mit dem Transfer betraut wird, Medienkunst ist sensibel. J.W.

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*April 2007*: SANDRO DROSCHL: Medienkunst im Medienturm Graz

J.W.: Du bist Koordinator und Leiter des Medienturm seit es diesen gibt, wie kam es dazu?

S:D.: Ich bin im Jahr 2000 gefragt worden ob ich für die Progammatik mich einbringen wollte und für die Koordination, und zwar von Peter Weibel und Ralph Schilcher, die das damals führend betrieben haben, wobei Christine Frisinghelli noch dabei ist vom alten Vorstand und Norbert Pfaffenbichler, ein Künstler mit dem ich zwei für mich ganz wichtige Ausstellungen gemeinsam kuratiert habe, insoferne ist Medienturm auch ein Generationenmix.

J.W.: Du hast Kunst studiert...

S.D.: Ja, ich habe ein Studium "Iregulare" absolviert, Körper, Medien , Kunst

J.W.: Sowas gibt es schon?

S.D.: Ja, einfach durch mich.

J.W.: Ich habe jetzt gedacht das gibt es vielleicht schon an einer Kunsthochschule als Fach.

S.D.: Das ist eine Kombination aus Kunst, ich war bei Isabel Graf, dann in der Freien Klasse, die habe ich ganz intensiv mit unterstützt, und dann habe ich noch Philosophie und Medizin gemacht, bei meinem Studium Iregulare, daher Körper.Medien.Kunst.

J.W.: Medizin ist doch ein anstrengendes Studium, das hast Du nebenbei gemacht?

S.D.: Ich habe fast die Hälfte der Prüfungen gemacht und habe dann das Theoretische mit hinüber genommen in mein Studium Iregulare, da geht es ein bißchen auch um Blicktheorien, wie stellt sich der Körper dar, was wäre die mediale Fassung von Körper, um Sehweisen....

J.W.: Du hast also an verschiedenen Hochschulen Partien von Wissen für dein Studium Iregulare zusammengetragen.

S.D.: Ja an der UNI Wien und an der Angewandten und ich habe immer noch einen guten Austausch.

J.W.: Im Programm des Medienturms scheint es durchwegs um Kunst zu gehen, nicht um kreative Technologien.

S.D.: Der rein technologische Blick war weniger das Interesse, nicht die Nische Elektronische Kunst, sondern ein Denken über Kunst im Sinne einer medialen Repräsentation und Fragestellung, die natürlich weiter gefaßt ist. Eine unserer ersten Ausstellungen hat z.B. Rockenschaub gemacht, das war ein interessanter Link der meines Erachtens beide Felder bedient. Wir stehen mit relativ vielen Künstlern im Kontakt und sehen uns die Dinge immer wieder an.

J.W.: Medienturm ist zwar international vernetzt, ihr zeigt aber doch auch relativ viele Österreicher.

S.D.: Die Absicht ist sicher die, dass wir versuchen tendenziell eine jüngere Generation heimischer Künstler und Künstlerinnen im Widerspiel von etablierteren internationalen Positionen zu zeigen. Wobei wir da auch jüngere Künstler z.B. im Artist in Residenz - Programm haben. Seit 2004 ist das in Kooperation mit dem Museumsquartier in Wien, die Künstler kommen nach Wien und nach Graz.

J.W.: Habt ihr im Medienturm Equipments zum arbeiten für die Künstler?

S.D.: Die Leute haben schon ihre eigenen Laptops mit und wir stellen Räumlichkeiten zur Verfügung und Material soweit wir das leisten können. Unser Ziel ist es, dass Videoarbeiten oder Installationen, wie etwa jene von Christopher Musgrave (Artist in Residence) entstehen können.

J.W.: Arbeitest du jetzt selbst auch als Künstler, oder hast du dich ganz auf die Rolle des Kurators und Organisators eingestellt?

S.D.: Ich habe mich damals entschieden, aslo eigentlich schon ganz ehrlich bei meiner Zeit auf der Angewandten, wie die Freie Klasse sich etabliert hat, dass mich die Arbeit am zusammenführen von künstlerischen Arbeiten mehr interessiert und mir auch mehr möglich erscheint als eigene Arbeiten. Für mich ist es durchaus genug inhaltliche Stränge zu entwickeln, das erfordert meine ganze Kraft.

J.W.: Es fehlt dir die eigene künstlerische  Arbeit nicht, es ist die Arbeit die du dir wünschst.

S.D.: Das ist für mich eine ganz tolle Chance, in dem Bereich Dinge vorantreiben zu können, insofern sehe ich das als demütig in Bezug auf die Künstler und den Strukturen. Ich habe da keine Ambitionen selbst einzugreifen, wiewohl die Settings, die Präsentationen und die Ausstellungsdesigns, wie auch die Ideen zu den Ausstellungen schon zumeist schon von mir kommen, das ist meine gestalterische Ebene.

J.W.: Kann das auch sein, dass du mit den Entwicklungen die da auf uns zukommen, zufrieden bist?

S.D.: Ich finde es schon in Österreich eine Herausforderung, dass man den Bereich der neuen Medien, der Medienkunst, an die bildende Kunst heranführt, hier Schnittmengen herstellt, hier mögliche Potentiale der Bereicherungen für die große Gegenwartskunst bereitstellt, und das spiegelt sich hoffe ich doch im Programm wieder. Es wird sich kaum wer als "Ich bin Medienkünstler" darstellen, man ist einfach Künstler und wir focusieren halt auf Programmatiken, die auch diesen medialen Aspekt mit transportieren, der ja dann wieder ein technologischer ist, mit Video, Mixed- Media Situationen, mit Sound Art, Online Arbeiten, Computerarbeiten und deren theoretischer Rezeption und wieder Eingliederung in einen größeren Bereich des Diskurses.

J.W.: Nach Wien gekommem, und eingechecket  in der Electric Aveneue, mit diesem kleinen Schauraum, bist du in einen Kontext gekommen, der sich vorwiegend mit freier Software beschäftigt, ist das ein Thema für Euch?

S.D.: Wir habe in unserer letzten Ausstellung eine Auseinandersetzung mit Open Source Software gemacht, die viele Künstler verwenden (Processing) wir versuchen da ganz themenorientiert vorzugehen, weniger prinzipiell, wir sagen nicht Open Source ist das Ding, dem widmen wir jetzt das nächste Jahr.

J.W.: Vorstellungen darüber, welche Software Künstler nützen sollen, oder ob sie diese unbedingt selbst schreiben sollen, gibt es dann wohl auch nicht.

S.D.: Nein. Das wäre nicht mein Interesse. Es geht mir schon um den Content, um die Idee, den Inhalt, deren Realisierung, deren Darstellung. Ich sehe den Medienturm relativ solitär, in Bezug auf das was ich hier vor Ort erlebe, wir stehen auch nicht groß im Austausch mit irgendwem. Wir zeigen hier unsere präziesen Arbeiten, in der Koje Medienturm auf Videoebene, das ist für uns leistbar und möglich, darüber hinaus zeigen wir Ausstellungen wie diese hier (ABSTRACTS OF SYN) haben aber keine Intentionen, uns hier in diese politische Diskussion einzubringen. Diese Frage hat sich für uns nie gestellt, das ist mir viel zu eng, das kann ich nicht nachvollziehen, ich sehe auch nicht die Künstler die das letztlich tragen könnten, ich weis von relativ vielen Künstlern, dass sie sich nicht beteiligen und nicht einreichen, sie können die Argumentationsstränge nicht nachvollziehen, auf deren Basis hier Dinge versucht werden. Das ist eine viel zu wenig kunstimmanente Debatte, dass sich da viele Leute einbringen würden. Künstler sehen vor allem keine Möglichkeit darin, Projekte realisieren zu können, indem sie sich irgendwelchen Lobbys anschließen. Wir versuchen uns klaren Fragestellungen zu widmen, was kann z.B. Video leisten, gemeinsam mit Sound im Sinne von Synesthesie, also ein ansprechen mehrerer Rezeptionsebenen und dabei immer wieder in andere Ebenen vorstoßen, z.B. im Sinne von Abstraktion.

J.W.: Ich stelle mir vor, dass man als Künstler so vorgeht, dass man eine Idee hat, und sich dann die dazu passende Technologie sucht.

S.D.: Ja, oder sich Leute sucht, die diesen Bereich abdecken können, oder hier vielleicht einmal Kooperationen aufbaut. Da muss ich schon sagen, dass das Angebot das wir stellen, sich als fruchtbar herausstellen kann für Künstler.

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                                                                                                                                          *März 2007*: LINDA CHRISTANELL: Ein Gespräch zu:

J.W.: Die ersten Arbeiten von Dir, die ich persönlich verfolgt habe, waren die Performances, bei denen Du auch selbst erstellte Objekte eingesetzt hast. Wie kamst du zum Experimentalfilm?

L.CH.: Bevor ich Performance gemacht habe, habe ich schon einige Jahre mit Objekten gearbeitet. Ich bin so nach und nach von der Fläche, ich habe ja Malerei studiert, wobei mich die Farbe, die malerische Farbe eigentlich nie wirklich interessiert hat, ich habe lieber mit Linien gearnbeitet, z.B. auf Plexiglasplatten, die ich mit Buchschrauben hintereinander schraubte um Licht einfallen zu lassen, immer mehr von der Fläche zum Raum übergegangen. Die Objekte waren immer eine Erweiterung meines Körpers, der Fingerfächer z.B. oder die weiße Kugel - nach Plato hatte ja die Seele Kugelgestalt....

J.W.: Das war noch bevor Du im feministischen Kontext aktiv wurdest?

L.CH.: Das war davor. Zum Feminismus kam ich sehr früh, in der AUF-Zeit, mit der Marie Theres Escribano, wir haben politische Aktionen gemacht und dann war ich in Frankfurt bei einem großen internationalen Frauentreffen mit über tausend Frauen, das hat mich damals total fasziniert, da war so eine Kraft und dann habe ich Frauengalerien kennengelernt, z.B. die Galerie Andere Zeichen in Berlin. Und dann gab es die erste große Frauenausstellung, die habe ich schon mit der Bertelmann gemeinsam besucht, das heißt wir haben dort ausgestellt. Bei den Objekten begann ich dann nach Bewegung zu suchen, ich platzierte sie an verschiedenen Orten und schrieb einen langen Text, was das Objekt alles ist, machte weiche, transportable, flexible Objekte, nicht solche die auf einem Sockel stehen und dort festgeschraubt sind.

J.W.: Hattest Du nicht auch einmal genähte Bücher gemacht?

L.CH.:Ja ich hatte öfter Objekte aus textilem Material. Dann begann ich Fotos zu machen, von den Objekten in Serien - es waren ja meist sehr kleine Objekte für die Hand, die Körpermitte, oder die Flügel. Mit der Bertelmann haben wir uns dann oft gegenseitig fotografiert, es waren Abläufe mit Konzepten die zu Fotoarbeiten führten. Dann wollte ich Objekte in Interaktion mit Publikum setzen, das ist mir nicht gelungen, ich habe furchtbar dabei gelitten, weil es waren meine ureigensten Gegenstände und ich konnte nicht ertragen dass andere meine Objekte so gebrauchten wie ich sie nie gebraucht hätte.

J.W.: Du hast Deine Objekte als erweitertes Selbstporträt verstanden?

L.CH.: Ja, aber da bin ich erst draufgekommen durch diese Interaktionen. Aus dieser Erkenntnis mit den persönlichen Objekten ist dann die Performance entstanden. Das Objekt war immer Teil einer Installation und ich habe immer raumbezogen gearbeitet.

J.W.: Und dann wart ihr mit den Fotoserien über und mit diesen Objekten Teil der neu erwachten Fotoszene.

L.CH.: Ich habe damals auch viele Ton-Dia Szenen gemacht mit gesteuerter Abfolge, programmierter Abfolge und bin manchmal auch live hineingetreten und habe ein Objekt über mich projeziert, ich habe eigentlich ein Expanded Cinema gemacht, in dem ich ein lebendiger Film war. Es hat aber keinerlei Ideologie dafür gegeben, keine Theorien darüber und die gibt es eigentlich bis heute nicht. Es hat kaum jemand darüber geschrieben. Die Abläufe hatte ich aber immer genau beschrieben, eine richtige Partitur dafür angelegt. 

J.W.: Wann hast du denn aufgehört mit den Performances?

L.CH.: Mein Galerist auf der Kunstmesse in Bologna sagte ich könne nur ganz kurz in der Koje performen, da er zu wenig Platz hat, aber er könnte etwas Dokumentarisches laufen lassen, ob ich das nicht aufnehmen könnte. Dann haben wir mit Super8 angefangen zu filmen. Ein Kollege hat mich nach meinen Anweisungen gefilmt und ich habe dann den Film geschnitten. Und dann wollte ich selbst was filmen und die Renate Bertlmann hat sich auch eine Super8 Kamera gekauft und dann haben wir gemeinsam die Gebrauchsanleitung studiert, das war der Anfang meiner Filmarbeit.

J.W.: Jetzt bist du schon ziemlich lange in dem Experimentalfimkontext, mit welchen Formaten arbeitest du jetzt?

L.CH.: Seit 1975 kann man sagen, jetzt arbeite ich schon lange mit 16mm und auch gerne mit den Maschinen hier. Es interessiert mich auch der Transfer zu DVD, ich hatte auch VHS gemacht, ich habe auch VHS wieder in 16mm transferiert oder Fotos im Film verwendet.

J.W.: Deine Filme werden nicht nur in Ausstellugen gezeigt, sondern auch im Kino und transportiert wirst du z.B. von sixpack oder von der Medienwerkstatt und vom Videoarchiv der Kunsthalle Wien.

L.CH.: Vor einigen Jahren habe ich noch selber organisiert, jetzt funktioniert das nicht mehr. Zu Zeiten der FilmCoop hatten die Künstler sich selbst transportiert, da sind wir nach Berlin gefahren mit einem Koffer mit den Filmrollen, auch von Kollegen, dann haben wir einen Vortrag gehalten, das Programm selbst zusammen gestellt, Kuratoren gab es keine. Jetzt ist das sicher z.B. bei sixpaxk sehr gut organisiert, allerdings eine Heimat hat man jetzt nicht mehr.

J.W.: was machst du jetzt? Hast du nicht kürzlich auch Abfallmaterial beziehungsweise Fehlerstellen  aus Filmen in den Ablauf integiert?

L.CH.: Ich habe unlängst ein Stück Film selbst gemacht, aus Anfang und Endstücken und allerlei Material mit Tixo zusammengeklebt, das zeige ich dir jetzt. Das habe ich in den Ablauf des Filmes integiert. Ich habe jetzt aber auch einen Computer gekauft, will mich aber nur mit den für mich relevanten Programmen beschäftigen.

 

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"GALERIE BOIS" Präsentationen im elektronischen Raum. Ein Gespräch mit ROBERT WALDL    *FEBRUAR 2007*

J.W.: Jahrelang warst Du eines der aktiven und gefragten Mitglieder der Wiener Fotokunst-Szene, dann auf einmal kamen Anfragen an damals noch analog arbeitende FotokünstlerInnen, um Beiträge für eine Virtuelle Galerie - wie kam das?

R.W.: Im Jahr 1992 habe ich mir zum ersten Mal zeigen lassen, wie das Internet funktioniert, von einem Wissenschaftler, ich war nicht wirklich firm auf dieser sogenannten DOS Ebene. Ich war aber total fasziniert davon zu sehen, wenn er z.B. sagte, und jetzt sind wir auf einem Server in Sydney, oder da hat ein Kollege das für mich bereitgelegt, und er hat das dann heruntergeladen. Für mich war das damals das erste Mal, dass ich das Wort downloaden gehört habe. Das hat natürlich anders ausgeschaut wie heute, wo es Webbrowser gibt.

J.W.: In der Klasse Peter Weibel an der Angewandten, die du ja besucht hast, war das damals noch kein Thema?

R.W.: Also ich kann mich nicht erinnern, das war allerdings in den 80er Jahren. Ein großer Aufruhr war, als damals ein großer Mac mit einer grafischen Benutzeroberfläche gestanden ist. Als dann aber vielleicht schon Fotos auf dem Computer beheimatet waren, war ich nicht mehr an der Angewandten. Mein großes Erlebnis war bei dem Wissenschaftler, da tröpfelte etwas aus der Telefonleitung, egal ob das Text war, auch Bilder, die er aus Amerika geholt hat, Grafiken, das Zusammenspiel von Computer, Telephonie und Fotografie faszinierte mich. Das hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe mit einem Freund von mir, dem Reinhold Hörschläger, der eine Software-Firma hat, eine Galerie kreiert, die nur über das Telefon zugänglich ist. Wir haben dann begonnen daran zu arbeiten, und haben bald gesehen, dass das nur mit einer sogenannten Mailbox zu realisieren ist. Die Bedeutung dieses Begriffes ist aber heute anders, damals bezog sich das auf einen Computer den man ans Netz gehängt hat, in den man sich einwählen konnte.

J.W.: So eine Mailbox habt ihr bei dir hier im Atelier installiert?

R.W.: Ja, hier im Vorzimmer war die Galerie. Das beschrieb auch eineinhalb Jahre später, zum ersten Mal öffentlichkeitswirksam Doris Krumpel. Wir haben 1992 erstmals Bilder ausgestellt, die sich aber außer uns niemand angeschaut hatte.

J.W.: Der Name Galerie Bois, bezieht sich das auf das französiche Wort Wald, also Galerie Waldl?

R.W.: Ja, das Problem war aber, dass wir sahen, wir müssen noch im Realraum ein paar Anläufe nehmen, sonst bemerkt uns niemand. Wir mußten dann, wie bei herkömmlichen Galerien Einladungen drucken und verschicken, damit jemand auf die Idee kommt da rein zu schauen. Wir hatten eine Ausstellung mit Sabine Bitter gemacht, die erste Fotografin, welche die Fotografie digitalisiert hat und digital verändert hat. Doch trotz Einladungen haben sich ganze 5 Leute eingewählt, die Künstlerin und wir miteingeschlossen.

J.W.: Das Problem war, daß wir kein Modem hatten, damals

R.W.: Die zweite Ausstellung war dann mit Sodomka/Breindl, die haben aber schon wirklich mit dem Medium umgehen können, sie haben glaube ich 3 Bilder, 3 Töne, 3 Texte zur Verfügung gestellt, die konnte man runterladen und verändert wieder raufladen. Da haben sich dann vielleicht schon 20 Leute damit gespielt, diese Ausstellung hat sich dauernd verändert.

J.W.: Das war noch 1993?

R.W.: Ja. Dann habe ich zum Reinhold gesagt, das ist ja alles sehr schwierig, aber einmal probieren wir es noch und dann habe ich eine Ausstellung "Computing Photography" gemacht. Ich habe eingeladen Sigrid Kurz, Ilse Haider, Thomas Freiler und wir hatten einen Sponsorvertrag mit Compaq, wir haben den Künstlern einen Computer zur Verfügung gestellt, wir haben ihnen einen Computerkurs bezahlt und nach einigen Monaten die Resultate in der Galerie Bois ausgestellt. Und dann passierte es: Sowenig vorher von uns wahrgenommen wurde, so sehr haben sich 1994 dann die Medien für unsere Arbeit interessiert. Das war noch in der Mailbox-Galerie, die nicht im Internet war, doch wir dachten, es wäre an der Zeit dies nun zu tun. Damals hat aber jeder Speicherplatz ein irres Geld gekostet. Und dann war auf einmal das World Wide Web da, und wir konnten uns die Domain und Speicherplatz nicht leisten.

J.W.: Hat es nicht damals die Public Netbase schon gegeben?

R.W.: Ja, die haben gearbeitet. Mit denen gemeinsam sind wir immer wieder zum Ministerium gepilgert. Wir haben aber erst Ende 1994 einen Sponsor gefunden, das war die Telecom, die ist aber später aufgekauft worden, die haben uns dann ins www aufgenommen.

J.W.: Dann hattet ihr eine Adresse, die ja auch längere Zeit am Fotonet abrufbar war.

R.W.: Dann hatten wir die Adresse www.bois.or.at

J.W.: Aber die Adresse gibt es jetzt nicht mehr. Am Fotonet war sie wohl nur verlinkt.

R.W.:Die Adresse gibt es nicht mehr. Ich hatte dann auch nicht mehr das Geld das weiter zu bezahlen.

J.W.: Und wer war der Webspace Provider?

R.W.: Die Telecom, die ist aber dann glaube ich von Nextra übernommen worden und die gibt es glaube ich heute auch nicht mehr.

Aus "Computing Photography" zwei Bilder von Ilse Haider:

Die Ausstellung "GLOBUS" von Sabine Bitter:

Robert Waldl (jetzt Dr. Robert Waldl)  www.waldl.com war und ist Fotokünstler, der sich nun seit 10 Jahren der Psychologie widmet und als Coach und Psychotherapeut arbeitet. Seine (neuen) Fotoarbeiten entstehen neben Hauptberuf und Familie, demnächst hat er wieder eine Ausstellung in der Liget Galerie in Budapest, die ihn genauso wiedergefunden hat wie ich - über Google...

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Unter "Speakers Corner" findet in jeder Ausgabe ein Gespräch mit einer profilierten Persönlichkeit statt, zu den Bereichen in e-motionArtspaceINTERNETKUNSTZEITSCHRIFT

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"DIGITALE POESIE": ein Gespräch mit WALTRAUT COOPER  *Januar 2007*

J.W.:Du hast neben zahlreichen Museumsausstellungen und Biennale-Einladungen auch sehr viel Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum gemacht. Den Begriff Kunst am Bau, lehnst du ab, warum?

W.C.: Erstens ist Bau für mich etwas vollkommen Undifferenziertes. Bei Kunst am Bau hat man so das Gefühl, da gibt es einen Bau, da wird nachher irgend etwas drauf gemacht. Es muss nicht so sein, aber das Wort suggeriert mir das. Wozu ich meistens eingeladen werde, das ist etwas, wo man sich schon etwas überlegt hat. Da ist Architektur, da steht ein Architekt dahinter, der hat sich was überlegt, das ist etwas Durchdachtes. Wenn die jetzt sagen, da wollen wir Kunst dazu, dann ist das meistens so, dass die das schon von Anfang an mitplanen und mitgeplant haben wollen, Künstler werden von Anfang an in das Geschehen eingebunden. Es wird dann auch gewöhnlich zu einer gedanklichen Einheit, es ist füreinander gemacht.

J.W.: Für dich ist die Arbeit bei "Kunst und Architektur", wie du es genannt haben willst, immer in Bezug auf das Resultat zufriedenstellend verlaufen?

W.C.:Ja, vor allem ist es ein sehr großes Betätigungsfeld, man kann sich sehr großzügig ausdrücken. Ein Bild kann noch so groß sein, an die Möglichkeiten die sich bei der Zusammenarbeit mit Architektur ergeben, kommt es nie heran.

J.W.:Du hast ja auch interaktive Dinge gemacht mit Licht, auf den Stufen der Universität in Graz, das ist schon sehr lange her.

W.C.:Das war 1990 ungefähr, damals hat ja niemand etwas im Boden gemacht. Da habe ich wahnsinnige Schwierigkeiten gehabt, etwas im Boden einzulassen und erst recht in den Stufen. Das war zwar ein Wettbewerb, und es hat der Jury sehr gut gefallen, aber nachher wollten sie mich doch überreden, ich konnte es aber durchsetzen, nur konnte das Licht nicht den ganzen Tag eingeschaltet bleiben, man einigte sich auf zwei Mal täglich.

J.W.:Das war aber schon eine deiner computergesteuerten interaktiven Lichtarbeiten. Hat sich der Zeitpunkt, an dem du mit Licht zu arbeiten begannst, auch mit der Interaktivität getroffen, und das ergab dann den Begriff "digitale poesie"?

W.C.: Fast. Die erste große Lichtarbeit war bei "Andere Avantgarde" in Linz, da habe ich in die Fassade des Brucknerhauses eine Reihe von Diagonalen gelegt, die zweite Lichtarbeit war dann bei der Biennale  in Venedig 1986, die Digitale Poesie, da haben die Leute